paradoxon. | Der Dienstag dichtet.

Heute ohne viele Kommentare meinerseits ein Gedicht zum dichtenden Dienstag, bestehend aus nächtlichen, verwirrenden Gedanken über das Leben, das Schreiben und das Ichsein. „Der Dienstag dichtet“ ist eine tolle Schreibaktion von der lieben Katharina, die den Dienstag zum Gedichte-Tag ernannt hat! Ihre Gedichte, weitere Infos zu der Aktion und die anderen Teilnehmer*innen findet ihr hier.


gibt es etwas paradoxeres als das leben?

der kalte wind, der mir eisig ins gesicht schlägt, lässt meine augen tränen.
das feuer sorgt dafür, dass meine wangen in dem gleichen rotton glühen.

ich bin jeden tag einen tag älter. mehr wissen, mehr erfahrungen, mehr ich.
und jeden tag auch einen tag älter. einen tag erwachsener und weniger ich.

ich verkrieche mich, in dieses haus, in diesen körper, in diesen kopf.
und gleichzeitig will ich, dass die ganze welt sieht und versteht.

ich stehe zwischen all diesen menschen und bin trotzdem allein.
ich stehe neben dir, glücklich, gemeinsam und fühle mich wie die ganze welt.

die musik lässt mich springen. das lesen lässt mich innehalten.
das lachen macht mich lebendig. und das schreiben lässt mich atmen.

und ich, ich lasse los.
schwebe vorbei an paradoxen, gegenteilen und erwartungen.
und komme mir selbst dabei immer ein bisschen näher.

jedes wort ein neuer atemzug. jedes wort erfülltes leben.


luna.

wiederbelebbar. | Der Dienstag dichtet.

Guten Morgen, ihr Lieben und einen schönen dichtenden Dienstag! Da ich seit gestern wieder mittendrin in meinem Praktikum stecke, scheint die Zeit für schöne Sachen, wie Schreiben, Bloggen und Dichten wieder einmal zu knapp. Deswegen habe ich mal in den Tiefen meiner Textschnipsel-Sammlung gewühlt und diesen hier gefunden. Ich glaube ich habe das am Neujahrstag 2015 geschrieben? Auf jeden Fall ist es eine Ewigkeit her, aber ich dachte angesichts des neuen Jahres, das ja heute erst fünf Tage alt ist und angesichts von immer-noch-Corona, passt es vielleicht – und kann dem einen oder der anderen Mut machen!

„Der Dienstag dichtet“ ist eine tolle Schreibaktion von der lieben Katha, die den Dienstag zum Gedichte-Tag ernannt hat! Ihre Gedichte, weitere Infos zu der Aktion und die anderen Teilnehmer*innen findet ihr hier.


wiederbelebbar

neues Jahr,
neues Glück.
denk nicht daran,
was du nicht hast
oder was gerade schwierig
oder unendlich langweilig ist.
denk an das,
was du hast,
was bald sein wird,
wer du bist,
wer du sein wirst.

dein ganzes Leben liegt noch vor dir
und gleichzeitig bist du schon mittendrin.
du bist unbesiegbar.


luna.

eintönigkeit. | Der Dienstag dichtet.

Hallo ihr Lieben! Nachdem es hier auf diesem Blog nun ganze neun Tage still war, gibt es heute endlich einen neuen Beitrag (und Spoiler-Warnung: morgen auch endlich eine neue Rezension!). Leider mussten letzte Woche beide Schreibaktionen bei mir ausfallen, weil ich einfach meine Motivation nirgendwo wiederfinden konnte. Doch gestern ist sie halbwegs zurückgekehrt und ich habe auch rückwirkend endlich eure Kommentare und (hoffentlich) all eure Beiträge gelesen – es kann also endlich mit dem Bloggen weitergehen!

„Der Dienstag dichtet“ ist eine tolle Schreibaktion von der lieben Katha, die den Dienstag zum Gedichte-Tag ernannt hat! Ihre Gedichte, weitere Infos zu der Aktion und die anderen Teilnehmer*innen findet ihr hier. Ich wollte für heute – als ich so meine blinkende Lichterkette betrachtete – eigentlich ein kleines Gedicht über die schöne, vorweihnachtliche Zeit schreiben. Doch aufgrund der ungewöhnlichen und oft etwas deprimierenden Zeit aktuell, hat sich das in eine etwas andere Richtung entwickelt.


die lichterkette blinkt mir grell entgegen,
als würde sie mir signalisieren:
heute ist schon wieder ein tag vergangen.

ich schaue aus dem fenster
und sehe draußen immer das gleiche:
grauer himmel, leichter regen und kälte.

ich schaue auf mein sofa und die wolldecke,
die zur zeit jeden tag in benutzung ist.
auch hier drinnen passiert immer das gleiche.

ich verpacke weihnachtsgeschenke, ich lese,
ich stürze mich in mein manuskript
und habe gleichzeitig nichts und doch immer zu viel zu tun.

weihnachten ist in neun tagen,
ein neues jahr beginnt in siebzehn.
und wann wieder normalität einkehrt
– das kann noch niemand sagen.


luna.

was ich vermisse. | Der Dienstag dichtet.

Einen späten guten Morgen! Da ich bis gestern Abend noch mit dem NaNoWriMo beschäftigt war (und ihn tatsächlich erfolgreich hinter mich gebracht habe!!), konnte ich mir bisher keine Gedanken um den heutigen dichtenden Dienstag machen – aber ausfallen lassen, wollte ich ihn auch nicht. Deswegen kommt hier eine kleine Aufzählung, an Dingen, die ich aktuell vermisse. (Und ja: ich bin mir durchaus bewusst, dass das fast alles eindeutige Luxusprobleme sind und es prinzipiell um etwas viel Größeres geht. Deswegen habe ich kurz überlegt, ob ich das wirklich veröffentliche – aber es sind meine Gedanken und manchmal sind es gerade die Kleinigkeiten, die einem unter anderem auch fehlen. Aber natürlich weiß ich trotzdessen, wie gut ich es habe.)

„Der Dienstag dichtet“ ist eine tolle Schreibaktion von der lieben Katha, die den Dienstag zum Gedichte-Tag ernannt hat! Ihre Gedichte, weitere Infos zu der Aktion und die anderen Teilnehmer*innen findet ihr hier.


was ich vermisse.
hektik und stress und zu viele termine. oberflächliche gespräche und lautes gelächter mit freunden. das erschöpftsein vom stundenlangen tanzen. dass ein wochenende eine bedeutung hat. seine lieblingsbands live zu sehen. jeden tag das haus zu verlassen. endlose stunden mit der familie. gespräche, in denen es nicht um corona geht. zu viele urlaubspläne zu haben. neue menschen kennenzulernen. einen geregelten alltag zu haben. neue städte zu erkunden. die vorfreude auf festivals. früh morgens betrunken nach hause zu kommen. pläne für die zukunft zu schmieden. seine freunde jedes wochenende zu sehen. abgesichert zu sein und gewissheit zu haben. kuchen essen im garten von oma und opa. das gefühl, wenn man tanzt und die welt liebt. engen kontakt mit menschen zu haben. sinnlose unternehmungen mit bestimmten menschen zu machen. sich auf einen freien abend zu freuen. keine angst zu haben. geburtstage zusammen feiern, statt nur pakete zu verschicken. lange umarmungen.


luna.

dieser mensch. | Der Dienstag dichtet.

Guten Morgen! Zum heutigen dichtenden Dienstag wollte ich endlich mal ein etwas positiveres, glücklicheres Gedicht verfassen (denn gefühlt schwang in meinen letzten Gedichten immer etwas Melancholie, Hoffnungslosigkeit oder Wut mit). Ich würde sagen, dass ist mir nicht ganz gelungen (oder doch?). Eigentlich möchte ich mit diesem Gedicht nämlich nur dem Menschen danken, mit dem und dank dem ich diese Pandemie durchstehe. Ich hoffe ihr habt auch alle so einen Menschen in eurem Leben – oder werdet diesen ganz bald finden oder seid für euch selbst dieser Mensch.

„Der Dienstag dichtet“ ist eine tolle Schreibaktion von der lieben Katha, die den Dienstag zum Gedichte-Tag ernannt hat! Ihre Gedichte, weitere Infos zu der Aktion und die anderen Teilnehmer*innen findet ihr hier.


eine stimme, die aus dem laut der welt ein leise

und aus dem leise der welt ein laut machen kann.

eine berührung, die die kälte aus mir vertreibt

und mit der sich die kälte der welt ertragen lässt.

ein lichtstrahl zwischen all dem grau,

ein knallgelber farbklecks in der tristen welt.

ein wort inmitten der endlosen stille,

ein wort inmitten der flut aus bedeutungslosen wörtern.

vier wände, die immer enger zusammenrücken,

ein fenster, das zeigt, dass die welt noch da ist.

vier jahreszeiten und die letzte beginnt jetzt,

ein mensch, der mir zeigt, dass ich noch da bin.

danke, dass du dieser mensch bist.


luna.

freiheit. | Der Dienstag dichtet.

„Der Dienstag dichtet“ ist eine tolle Schreibaktion von der lieben Katha, die den Dienstag zum Gedichte-Tag ernannt hat! Ihre Gedichte, weitere Infos zu der Aktion und die anderen Teilnehmer*innen findet ihr hier.


freiheit.

mal in greifbarer nähe, mal unendlich weit weg.

sehnsucht nach etwas, das nicht immer da ist.

manchmal reicht nur der hauch aus,

ein blauer himmel, ein sonnenblumenfeld, ein lachen

und dann kann ich sie schmecken

und mich von ihr durch die luft wirbeln lassen.

doch manchmal gleitet sie mir einfach aus den fingern.

manchmal wird sie einfach verschluckt

vom alltag und pflichten und erwartungen und menschen.

und dann stellt sich mir diese eine frage:

wie kann ich je ganz frei sein?

wie kann ich frei sein, wenn meine liebe nicht überall frei ist,

wie kann ich frei sein, wenn dieser liebe in 15 ländern die todesstrafe droht,

wie kann ich frei sein, wenn andere menschen nicht frei sein können.

wie kann ich in dieser welt jemals frei sein?


luna.

rauschende worte. | Der Dienstag dichtet.

Guten Morgen! Für den heutigen dichtenden Dienstag gibt es von mir ein paar Worte, die spontan gestern Abend spät entstanden sind. Ich habe einfach geschrieben, ohne nachzudenken und werde selbst nicht richtig schlau aus meinen Gedanken – aber eigentlich ging es mir um das Schreiben.

„Der Dienstag dichtet“ ist eine tolle Schreibaktion von der lieben Katha, die den Dienstag zum Gedichte-Tag ernannt hat! Ihre Gedichte, weitere Infos zu der Aktion und die anderen Teilnehmer*innen findet ihr hier.


manchmal bin ich ein springbrunnen. und die worte sprudeln mit voller kraft aus mir heraus. sie wirbeln durch die luft und klatschen auf das unzerstörbare mauerwerk. der springbrunnen steht mitten in der stadt, da wo alle menschen ihn sehen und bewundern können. er präsentiert sich von allen seiten und hält sich für unbesiegbar. schließlich fließen die worte ununterbrochen – und da merkt vielleicht keiner, dass es immer die gleichen sind?

manchmal bin ich ein altes waschbecken in einem kleinen schuppen. ich gehöre zu einem haus, das von der menschheit längst vergessen wurde. durch meine leitungen fließen schon lange keine worte mehr, sie sind ganz still. ich weiß nicht, ob sie einfach leer und mit abgestandener luft gefüllt sind. oder ob etwas in ihnen wächst, dass sie verstopft hat. das waschbecken ist froh, dass es sich in diesem überwucherten, zerfallenen schuppen verstecken kann. es ist gern allein, denn so bemerkt niemand, dass längst keine worte mehr aus ihm heraus tropfen.

manchmal bin ich das meer, unendlich und jeden tag ein bisschen anders. mal ein tosender ozean, der alles mit sich reißt und nicht aufzuhalten ist. mal ein ruhiges gewässer, dessen oberfläche im sonnenlicht glitzernd funkelt. für manche tiere und schiffe und menschen bin ich ein zuhause. andere fürchten sich vor mir und meinen gewaltigen massen an worten, mit denen ich sie gelegentlich überflute. und da es so unendlich viele worte sind, merkt doch niemand, dass manche von ihnen die falschen sind?


luna.

für Edgar. | Der Dienstag dichtet.

Guten Nachmittag! Ich bin heute mal wieder spät dran, aber hier kommt mein Beitrag zu dem ersten dichtenden Dienstag im November. Die Zeilen habe ich heute Morgen geschrieben, als mich beim Essen ein ziemlich trostloser Edgar angeschaut hat, besser gesagt nur noch Edgars Überreste. Wenn ich eins nicht kann, dann leider mich richtig um Pflanzen kümmern. Bei den meisten wird die Lebenszeit durch mich stark verkürzt. (Und falls die Frage aufkommt: Ja, meine Pflanzen habe alle einen Namen! Überwiegend einen Altmodischen. Ich dachte nämlich, dass ich durch die persönliche Beziehung öfter ans Gießen denke – was aber leider nicht wirklich geklappt hat…)

„Der Dienstag dichtet“ ist eine tolle Schreibaktion von der lieben Katha, die den Dienstag zum Gedichte-Tag ernannt hat! Ihre Gedichte, weitere Infos zu der Aktion und die anderen Teilnehmer*innen findet ihr hier.


für Edgar.

geknickte blätter, die bereits den boden küssen.

ein welker rand.

braune flecken, die das letzte grün des lebens vertreiben.

ein trostloser anblick.

die letzten frischen wassertropfen auf der alten erde.

ein schäbiger blumentopf.

die sonnenstrahlen scheinen kräftig durchs fenster.

ein wenig hoffnung

und doch ist es für ihn schon längst zu spät.

ein qualvoller tod,

der erst endet, wenn ein ersatz gefunden wurde

und dann sofort erneut beginnt.


luna.

wer ich bin. | Der Dienstag dichtet.

Hallo ihr Lieben, etwas verspätet kommt hier mein Beitrag zum dichtenden Dienstag! Ich bin ab dieser Woche auch wieder im Home Office und habe dadurch endlich mal wieder etwas mehr Zeit zum Schreiben und Bloggen. „Der Dienstag dichtet“ ist eine tolle Schreibaktion von der lieben Katha, die den Dienstag zum Gedichte-Tag ernannt hat! Ihre Gedichte, weitere Infos zu der Aktion und die anderen Teilnehmer*innen findet ihr hier.


du fragst mich, wer ich bin. und ich sage dir lächelnd meinen namen. als wäre dieser name alles, was mich ausmacht. als würde ich mir diesen namen nicht mit unendlich vielen anderen menschen teilen. als wären diese vier buchstaben ich.

du fragst mich, wer ich bin. und ich denke an mich in diesem augenblick, an mich gestern und an mich in zwei jahren. an mich bei meiner familie, an mich bei fremden und an mich, wenn ich ganz allein bin. an mich im sommer, mich im winter und mich irgendwo dazwischen. an mich, wenn ich durch die wohnung tanze und an mich, wenn ich es nicht schaffe, das bett zu verlassen. an mich einsam, leer, vergnügt oder lebensfroh. an mich als kind, an mich jetzt und an mich in der zukunft. an mich beim schreiben, beim lachen und beim weinen.

du fragst mich, wer ich bin. und ich antworte dir darauf heute nicht. heute kann ich mich nicht entscheiden, wer ich sein will. oder vielleicht fehlen mir nur die richtigen worte, um diesen menschen zu beschreiben. heute will ich einfach nur ich sein – ganz ohne worte, ohne definitionen und ohne einschränkungen.


luna.

wintergefühle. | Der Dienstag dichtet

Guten Morgen, ihr Lieben und einen schönen dichtenden Dienstag! Ich bin heute mit ein paar Zeilen dabei, die irgendwie am Sonntagabend aus meinem Herzen gepurzelt sind. Ich war Sonntag Schlittschuhlaufen und habe heiße Schokolade getrunken und draußen hat es in Strömen geregnet und ich habe den Herbst, Winter oder irgendetwas dazwischen jetzt endgültig willkommen geheißen (auch, wenn mir das schwer fällt).

„Der Dienstag dichtet“ ist eine tolle Schreibaktion von der lieben Katha, die den Dienstag zum Gedichte-Tag ernannt hat! Ihre Gedichte, weitere Infos zu der Aktion und die anderen Teilnehmer*innen findet ihr hier.


der winter klopft immer energischer an meine tür.

nun schließ schnell das fenster, sagt er.

und peitscht mir eiskalten wind in das gesicht.

aber was ist mit dem herbst, denke ich.

doch der winter hat ihn längst zu boden gedrückt.

jetzt bin ich hier, sagt er.

aber du bist doch immer viel zu lange hier, seufze ich.

ich blicke zu der verwelkten sonnenblume auf dem tisch.

es ist mir viel zu kalt in dieser wohnung, ruft sie mir zu.

mir auch, denke ich und verkrieche mich unter der decke.

doch dann kommst du mit zwei tassen tee und einem lächeln.

und vielleicht wird dieser winter gar nicht so schlimm,

vielleicht ist mit dir alles irgendwie besser, denke ich.

und ich höre wie der winter leise lächelt.


luna.